Treibhausgasminderungsquote
Klimaschutz im Verkehrssektor
Sorgenkind der Klimaschutzziele ist der Verkehrssektor. Während der CO2-Ausstoß im Energiesektor in den letzten Jahren bereits reduziert werden konnte, blieben die Emissionen im Verkehrssektor konstant. Nun gibt es drei Ansätze zur Minderung der Treibhausgase: Das Reduzieren des Verkehrs, das Verlagern auf andere Verkehrsmittel oder das Umsteigen auf alternative Antriebe. Die THG-Quote soll dabei einen finanziellen Anreiz für den Umstieg auf alternative Antriebe schaffen.
Der Verkehrssektor
Nach der Energiewirtschaft und der Industrie ist der Verkehrssektor der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Umso bedenklicher: Von 164 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 1990 auf 146 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2020 – die Zahlen zeigen, dass die Emissionen des Verkehrssektors in den letzten dreißig Jahren laut Klimabilanz des Umweltbundesamtes kaum gesunken sind. Daher ist das Ziel der Bundesregierungöffnet in einem neuen Tab: Die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf höchstens 85 Millionen Tonnen CO2 zu mindern. Neben Umweltbonus, Innovationsprämie und dem Förderprogramm für Ladestationen soll auch die THG-Quote einen Umstieg auf die E-Mobilität fördern.
So funktioniert die THG-Quote
Unternehmen, die in Deutschland Kraftstoffe wie Benzin und Diesel in den Verkehr bringen, müssen gesetzliche Treibhausgasminderungsquoten erfüllen. Die Weiterentwicklung des Gesetzes zur Treibhausgasminderungsquote wurde im Mai 2021 beschlossen. Zukünftig gibt es die Möglichkeit für Mineralölkonzerne, THG-Quoten von Dritten zu erwerben.
- Auf der einen Seite können quotenverpflichtete Unternehmen wie Mineralölkonzerne THG-Quoten erwerben, um ihre gesetzliche Treibhausgasminderungsverpflichtung zu erfüllen. Die dadurch entstehenden Kosten können sich auf die Preise fossiler Kraftstoffe auswirken.
- Auf der anderen Seite können Betreiber von Ladepunkten, E-Mobilisten oder Biomethantankstellen die im gesetzlichen Verfahren berücksichtigten THG-Minderungsmengen über die THG-Quote vermarkten. Die Vergütung schafft einen finanziellen Anreiz für die Teilnahme am Quotenhandel.
Wie berechnet sich die THG-Quote?
- Im ersten Schritt multipliziert man die Menge der quotenpflichtigen Kraftstoffe mit dem Basiswert. Der Basiswert ist der durchschnittliche Treibhausgasausstoß von Benzin- und Dieselkraftstoffen und gesetzlich festgelegt.
- Daraus ergibt sich der Referenzwert, davon wird die für das Verpflichtungsjahr maßgebliche Quote abgezogen.
- So ergibt sich der Zielwert, den man wiederum mit den tatsächlichen Treibhausgasemissionen vergleicht.
Wenn der Zielwert größer oder gleich dem
tatsächlichen THG-Wert ist, so ist die Quote erfüllt. Ist dies nicht der Fall, muss
das Mineralölunternehmen THG-Quoten als Ausgleich einkaufen
Wie hoch ist die THG-Quote?
Die Höhe der THG-Quote ist durch einen Prozentsatz in § 37a Absatz 4 BImSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz) festgelegt. Lag die Treibhausgasminderungsquote zur Senkung der CO2-Emissionen im Verkehr 2015 noch bei 3,5 Prozent, so wird diese zunehmend angehoben. Für das Jahr 2020 beträgt die Quote 6 Prozent, 2022 wird sie auf 6,5 Prozent steigen. Noch mehr soll in den kommenden Jahren folgen: Die THG-Quote steigt bis 2028 auf 14,5 Prozent und bis 2030 auf 22 Prozent laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.öffnet in einem neuen Tab
THG-Quotenhandel
Anders als bei dem CO2-Zertifikate-Handel (mehr dazu auf unserem Blog) werden die Preise für die THG-Quote nicht an der Börse ermittelt, sondern von Händler auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage. Für den Quotenhandel schließen Mineralölunternehmen und Verkäufer einen Quotenhandelsvertrag. Dieser wird dem Hauptzollamt bis spätestens 15. April des Folgejahrs vorgelegt. Es überwacht auch die gehandelten THG-Quoten sowie die Quotenerfüllungsverpflichtungöffnet in einem neuen Tab der Unternehmen. Um am Quotenhandel teilzunehmen und gute Erlöse zu erzielen, bedarf es einer Mindestmenge an THG-Quoten. Gut vernetzte Dienstleister bündeln daher THG-Quotenmengen und verkaufen dann größere Mengen.
Der Weg ist das Ziel: Gesetzeslage der THG-Quote
Seit 1974 gilt das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) und überwacht die THG-Emissionen in Deutschland. Mit dem Fokus auf die Energiewende im Verkehr wurde 2007 eine Änderung des Gesetzes vorgenommen. Die neue Biokraftstoffquote diente als Vorreiter der THG-Quote. So mussten Unternehmen, die fossile Kraftstoffe in den Verkehr bringen, ebenso eine bestimmte Menge an Biokraftstoffen anbieten. 2015 beschloss die Bundesregierung, nicht mehr die Menge der fossilen Kraftstoffe als Maß für die Menge der Biokraftstoffe zu nehmen, sondern zukünftig den THG-Ausstoß. Das Ziel war, diesen Ausstoß jährlich um einen festgelegten Prozentsatz zu reduzieren. 2018 wurde die THG-Minderungsquote eingeführt. Seitdem können unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch weitere Energieträger, zum Beispiel Strom oder biogene Flüssiggase, im Rahmen des Verfahrens zur Erfüllung der Treibhausgasminderungsverpflichtung berücksichtigt werden. Damit auch Ladepunktbetreiber und E-Mobilisten am Quotenhandel teilnehmen können, wurde das Gesetz 2021 erweitert.
