„AHA“ plus L: Lüften schützt vor Corona

Das Wichtigste im Überblick: Wie können wir das Corona-Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen minimieren?

Jeder Mensch atmet pro Minute etwa acht Liter Luft aus. Sind viele Menschen in einem Raum, wird besonders viel Luft ausgeatmet. Mit jedem Atemzug stößt der Mensch neben Kohlendioxid auch die sogenannten Aerosole aus. Die kleinen Schwebeteile spielen eine Rolle bei der Übertragung von Corona. Eine wirksame Sofortmaßnahme ist: Fenster auf und abgestandene Luft rauslassen. 

Was sind Aerosole?

Aerosole sind eine Mischung aus festen und flüssigen Partikeln in einem Gasgemisch. Die kleinen (unter 100 Mikrometer) Schwebepartikel werden beim Atmen oder Sprechen ausgestoßen. Größere Tröpfchen (über 100 Mikrometer), die beim Husten oder Niesen entstehen können, sinken schnell zu Boden. Dagegen schweben Aerosole durch die Luft: Je nach Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit verteilen sie sich in einem Raum über eine große Distanz und einen langen Zeitraum hinweg. Das bedeutet, der Mindestabstand in geschlossenen Räumen reicht nicht aus, um sich vor einer Übertragung zu schützen. Auch der Mund-Nasen-Schutz kann je nach Beschaffenheit und Passform nicht vor Aerosol-Ausstoß schützen.

Übertragung des Coronavirus

Befinden sich Krankheitserreger wie Sars-CoV-2 in den Atemwegen, so stößt der Infizierte diese beim Husten, Sprechen oder Atmen über Aerosole und Tröpfchen aus. Dabei können größere Partikel potenziell mehr Viren enthalten. In Räumen ohne Luftaustusch kommt es relativ schnell zu einer Anreicherung und Verteilung der Schwebepartikel. Atmet ein gesunder Mensch die infizierten Partikel ein, kommt es auf die minimale Infektionsdosis an: Forschern zu Folge reichen 300 bis 1.000 Viren aus, um die Krankheit zu übertragen – ohne direkten Kontakt mit der infizierten Person.

 

Wovon hängt das Risiko im Raum ab?

Während sich Aerosole im Freien schnell zerstreuen und kaum Viruswolken bilden, sieht das in geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung anders aus. Wie lange die Tröpfchen und Aerosole in der Luft schweben, hängt von der Größe der Partikel und vielen anderen Faktoren ab: Neben der Raumgröße spielen auch Belüftung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine Rolle. In kalter und feuchter Luft können die Aerosole am längsten durch die Luft schweben. Auch die Personen, die sich im Raum befinden, spielen eine Rolle: Anzahl, Aufenthaltsdauer und Aktivität beeinflussen das Infektionsrisiko.

Ein Beispiel: Halten sich viele Menschen in einem schlecht belüfteten und beheizten Raum auf, so ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch virenbelastete Aerosole hoch. Noch höher ist die Ansteckungsgefahr bei schwerer körperlicher Anstrengung, wobei mehr Aerosole ausgestoßen werden als beim ruhigen Atmen. Gleiches gilt für das Sprechen und Singen.

CO2-Konzentration als Orientierung

Man könnte meinen, die Lösung für ein niedriges Corona-Ansteckungsrisiko ist einfach: Aerosole in Räumen messen oder direkt filtern. Doch solche Anlagen sind kostspielig und wartungsaufwendig. Eine günstigere Lösung, um die Luftqualität herauszufinden, sind CO2-Sensoren. Diese messen die Kohlenstoffkonzentration in einem Raum. Mit 400 ppm (parts per million) ist CO2 ein natürlicher Bestandteil der Luft. Da CO2 ein Abbauprodukt der Zellatmung von Lebewesen ist, enthält die ausgeatmete Luft auch CO2. Sind viele Menschen in einem Raum, steigt die CO2-Konzentration mit jedem Atemzug. Bei etwa 1.200 ppm ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die eingeatmete Luft mindestens einmal Lungenkontakt hatte. Befindet sich also viel CO2 in einem Raum, kann man auch davon ausgehen, dass viele Aerosole durch die Luft schweben. Sensoren, wie etwa die sogenannten „CO2-Ampeln“, könnten dabei ein Hilfsmittel sein, um das Risiko einer Corona-Ansteckung durch potenziell infektiöse Aerosole zu minimieren.

Ampel rot: Lüften!

Bei grüner CO2-Ampel ist die Luftqualität gut, gelb und rot warnen vor zu viel CO2 und somit auch Aerosolen in der Luft. Dann sollte die Luft im Raum durch Lüften ausgetauscht werden. Will man die Luft schnell gegen frische Luft austauschen, eignet sich Querlüften besonders gut. Dafür am besten die gegenüberliegenden Fenster weit öffnen. Sind die Fenster so angeordnet, dass Querlüften nicht möglich ist, so empfiehlt sich auch Stoßlüften. Dazu einfach alle Fenster weit öffnen für mehrere Minuten. Das Kipplüften eignet sich nicht zum schnellen Luftaustausch. Durch gekippte Fenster steigt die Konzentration von CO2 im Raum jedoch deutlich langsamer, andererseits geht auch warme Luft von den Heizkörpern verloren.

7 Tipps, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren

  1. Achten Sie darauf, dass die abgestandene Luft nicht in andere Räume zieht
  2. Verlassen alle Personen den Raum, geht ein Umwälzen der Luft schneller
  3. Lassen Sie Räume nicht komplett auskühlen, am besten häufig und kurz Lüften
  4. Vermeiden Sie Lüftungsanlagen, die die Luft ohne Frischluftzufuhr nur Umwälzen
  5. Richten Sie Laufwege ein, um den Luftaustausch gezielt zu steuern
  6. Vermeiden Sie Singen, lautes Sprechen oder Gähnen
  7. Nutzen Sie FFP-Atemschutzmasken, da diese auch Aerosole filtern können