
Wie funktioniert die Strombörse?
So wird in Deutschland mit Strom gehandelt
Strom kommt aus der Steckdose – aber woher kommt eigentlich der Preis? Ein wichtiger Faktor ist die Strombörse, an der elektrische Energie wie an einem Marktplatz gehandelt wird. Doch wie funktioniert dieser Handel genau, wer nimmt daran teil und welche Handelsformen gibt es?

Was ist eine Strombörse?
Eine Strombörse ist ein virtueller Marktplatz, an dem Strom gehandelt wird. Das Funktionsprinzip ähnelt dem einer Wertpapierbörse. Der Preis bildet sich im freien Spiel von Angebot und Nachfrage. Vereinfacht gesagt: Ist viel Strom verfügbar, sinkt der Preis und ist Strom knapp, steigt er.
Die Teilnehmenden am Strommarkt sind Produzenten, Energiehändler, Energielieferanten und Netzbetreiber. Produzenten erzeugen den Strom und verkaufen ihn an der Börse. Energiehändler kaufen und verkaufen Strom, um von Preisschwankungen zu profitieren, ohne ihn selbst zu erzeugen oder an Endkunden zu liefern. Energielieferanten hingegen beschaffen den Strom, um ihn an Haushalte und Unternehmen weiterzuverkaufen. Netzbetreiber kaufen an der Börse Regelenergie ein, um Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen und die Netzstabilität zu gewährleisten. Der gesamte Handel erfolgt heute ausschließlich elektronisch.
Der größte Handelsplatz für Energie in Kontinentaleuropa ist die European Energy Exchange (EEX)öffnet in einem neuen Tab in Leipzig. Heute sind dort mehr als 400 Handelsteilnehmer aus über 30 Ländern aktiv. Neben Strom werden auch Erdgas, Umwelt- und Agrarprodukte gehandelt. Der Strom muss dabei nicht aus Deutschland stammen. Auch Akteure aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und anderen Ländern sind vertreten.
Besonderheiten beim Stromhandel:
Keine direkte Speicherung
Strom lässt sich nicht wie andere Waren lagern. Erzeugung und Lieferung müssen praktisch gleichzeitig erfolgen.
Wetterabhängigkeit
Da Deutschland den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, hängt ein bedeutender Teil der Stromproduktion vom Wetter ab. Das lässt sich nur begrenzt planen.
Anonymer Handel
Die Marktteilnehmenden bleiben an der Börse anonym. Das stellt sicher, dass alle gleichbehandelt werden und bilaterale Absprachen ausgeschlossen sind.
Terminmarkt: Langfristige Strombeschaffung
Für den deutschen Strommarkt gibt es zwei wichtige Marktformen, die sich nach Lieferzeitraum unterscheiden. Der Terminmarkt findet an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig statt und dient dem langfristigen An- und Verkauf von Strommengen.
Zukünftige Leistungen werden hier zu einem aktuellen Preis gehandelt. Der Lieferzeitpunkt kann Wochen, Monate oder sogar Jahre in der Zukunft liegen. Energielieferanten und Unternehmen nutzen diesen Markt, um einen Großteil ihres prognostizierten Strombedarfs im Voraus zu sichern.
Da die Börsenpreise für Termingeschäfte stark schwanken können, etwa durch Jahreszeiten oder geopolitische Entwicklungen, decken sich Einkäufer in der Regel nur mit einer Teilmenge ihres Gesamtbedarfs ein.
Spotmarkt: Kurzfristiger Handel
Der Spotmarkt findet vor allem an der European Power Exchange (EPEX) Spotöffnet in einem neuen Tab in Paris statt. Hier wird Strom für den kurzfristigen Bedarf gehandelt.
Das ermöglicht Energieversorgern, kurzfristige Engpässe zu schließen, Fehlkalkulationen auszugleichen oder Überkapazitäten anzubieten. Je nach Wetter und Nachfragesituation kann der Strom hier überdurchschnittlich teuer sein oder bei Überproduktion sogar negative Preise erreichen. In diesem Fall werden Käufer dafür bezahlt, den überschüssigen Strom abzunehmen.
Am Spotmarkt wird zwischen zwei Handelsarten unterschieden:
- Day-Ahead-Handel: Dieser ist die Strombeschaffung für den Folgetag. Hier werden Viertelstundenprodukte gehandelt, etwa der Zeitraum von 7:00 bis 7:15 Uhr.
- Intraday-Handel: Dieser ist noch kurzfristiger angelegt. Er bezieht sich auf die Beschaffung für den laufenden Tag und umfasst ebenfalls 15-Minuten-Zeiträume
Der OTC-Handel: Geschäfte außerhalb der Börse
Auf die Strombörse entfällt nur etwa ein Viertel des gesamten Stromhandels in Deutschland. Rund 75 Prozent werden außerbörslich abgewickelt, im sogenannten OTC-Handel (Over-the-Counter-Handel). Hier schließen Stromverkäufer und Stromeinkäufer direkt miteinander einen Kaufvertrag ab. Die Geschäfte werden individuell verhandelt und kommen ohne zwischengeschaltete Instanzen aus.
OTC-Geschäfte werden auf Online-Handelsplattformen, über Brokerunternehmen oder direkt zwischen den Marktpartnern abgeschlossen. Viele Ausschreibungen von Strommengen, etwa von Energieversorgern, Industriebetrieben oder Großkraftwerken, laufen über diesen Weg. Anders als an der Strombörse ist der Preis hier aber nur den beiden Vertragsparteien bekannt.
Wichtig: Die Strompreise im OTC-Handel orientieren sich dennoch am offiziellen Börsenstrompreis. Wären sie deutlich günstiger, hätten Produzenten kaum einen Anreiz, ihren Strom nicht einfach an der Börse zu verkaufen.
Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher
Private Haushalte spüren die Preisschwankungen an der Strombörse nicht unmittelbar. Das liegt zunächst an der Zusammensetzung des Strompreises. Rund die Hälfte entfällt auf Steuern, Abgaben und Netzentgelte. Nur der restliche Anteil deckt die tatsächlichen Kosten der Stromversorger für Beschaffung und Vertrieb ab.
Doch auch wenn die Börsenpreise sinken, wirkt sich das nur begrenzt aus. Denn Stromversorger decken den Großteil ihres Bedarfs langfristig am Terminmarkt. Kurzfristige Schwankungen beeinflussen die durchschnittlichen Beschaffungskosten daher kaum.


